Banner
UnterBrechung-MittenDrin - Online 6

Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen.

Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet. (Bergpredigt Mt, 6)


Wenn das Beten sich lohnen täte,
was meinst du wohl, was ich dann beten täte.
1)
Ohne Prioritäten, einfach so wie es käme finge ich an.
Nicht bei Adam und nicht bei Unendlich,
trotzdem jeder und jedes käme dran.
Für all das, wo der Wurm drin,
für all das, was mich immer schon quält,
für all das, was sich wohl niemals ändert.
Klar - und auch für das, was mir gefällt.
Vom Choral für die Domtaube, die verkrüppelt verendet in der Gosse,
bis zu Psalmen für das Wetter und die Stunden mit dir, die zu kurz.
Ich täte beten, was das Zeug hält,
ich täte beten auf Teufel komm raus,
ich täte beten für was ich gerade Lust hätte,
doch für nichts, wo mir wer sagt: "Du mußt!"
2)
Ein Rosenkranz dem Poet, der als Schaf in einem Wolfspelz herum steht,
neben Troubadour und Prophet, denen das Lachen tagtäglich vergeht.
Ich täte eine Kerze aufstellen für Elvis,
täte ein Hochamt bestellen für John.
Prozessionen, die gingen für Janis
- all die Helden, die würden belohnt.
Und ein Vaterunser dem Feldherr, der darauf wartet, daß er endlich verliert,
dem es hochkommt bei seinen Triumphzügen, der Obelisken genug apportiert.
Für die zwei Philosophen, die schimpfen,
in einem Elfenbeinturm in Klausur,
die seit Menschengedenken sich zanken,
aus Erbarmen ein Stoßgebet nur.
3)
Ich täte beten für Sand im Getriebe, und jede Klofrau bekäme Riesenapplaus. Überhaupt jede Unmenge Liebe und dem Sysiphus nicht nur eine Pause.
Täte die Rubel bremsen, die rollen,
Kronjuwelen verbannen auf den Schrott,
ließe alle Grenzen und Schranken verschwinden,
jeden Speer, jedes Gewehr, jedes Schafott.
Vielleicht beneide ich auch die glauben können,
doch was soll das, ich jage doch kein Phantom.
Gott, wäre Beten bloß nicht so sinnlos, denn oft denke ich,
wir wären bald schon an dem Punkt, wo es egal wird,
wer recht hat, wo Beziehung und Kohle nicht zählt.
Wir sind alle zusammen am Kreuzweg,
etwa da, wo man das dritte Mal fällt.

 


Text : BAP

Auswahl: Guido Schürenberg